Kneipp-Gesundheitsvisite

 

 

      Heilpflanzen

Bärlauch

 

Bärlauch – das gesunde Wildgemüse: In hellen Laubwäldern bildet Bär­lauch im März mitunter ausgedehnte grüne Flächen, wobei dann im Mai die weißen sternförmigen Blüten das dunkle Grün auflockern. Dann aller­dings nimmt der Gehalt an Wirkstoffen in den Blättern bereits ab. Zer­reibt man eine Blattspitze fällt der durchdringende lauchartige Geruch auf – so kann kaum eine Verwechslung mit den ebenfalls früh austreiben­den Blättern des äußerst giftigen Maiglöckchens vorkommen.  

 

„Für unser Klima passen am besten Gewürze, die in unseren Gegenden wachsen.“ Sebastian Kneipp

 

Bärlauch ist mit dem Knoblauch verwandt und seine frischen Blätter ent­halten dieselben schwefelhaften Wirkstoffe, die für fettstoffwechsel-för­dernden und Arteriosklerose-vorbeugenden sowie antibakteriellen und pilzhemmenden Wirkungen verantwortlich sind – aber auch für den Knoblauch-typischen Geruch bei hochdosierter Einnahme. Neben diesen schwefelhaltigen Verbindungen kommen noch weitere sekundäre Pflan­zen­stoffe wie ätherische Öle, sowie allerhand Mineralien sowie Vitamin C vor.

Die Pflanze ist zwar komplett essbar, genutzt werden aber vorwiegend die Blätter, oft auch mit den Stängeln, am besten frisch als Gewürz, Salat oder als Gemüse in der Frühjahrsküche. Das Gerücht ist falsch, dass Bärlauch während und nach der Blüte giftig sei.

Oft wird dem Bärlauch zugeschrieben, er sei mindestens so gesund wie Knoblauch, ohne allerdings den Körpergeruch zu beeinflussen. Dies könnte allerdings auch mit einer zu niedrigen Dosierung sowie einer kurzfristigen oder unregelmäßigen Einnahme erklärt werden, bei der eine medizinische Wirkung dann unwahrscheinlich wird. Auch die Verarbeitung der Blätter durch Kleinschneiden, Kochen, Backen oder Mischung mit Ölen oder wässrig-alkoholischen Lösungen führt dazu, dass nur noch Abbau­produkte der schwefelhaltigen Wirkstoffe enthalten sind, deren Wirksam­keit am Menschen nicht gezeigt werden konnte. Im Gegensatz zu be­stimmten Knoblauch-Präparaten ist der klinische Wirksamkeitsnachweis für Bärlauch noch nicht erbracht worden.

Dennoch ist Bärlauch ein gesunder Beitrag für die Frühjahrsküche und passt auch zu den von Kneipp geschätzten Frühjahrskuren, bei denen Nahrungsreduktion oder Fasten mit „entschlackenden“ Maßnahmen kombiniert wird. „Entschlackung“ wäre beim Bärlauch durch eine milde Anregung von Galle und Leber sowie Magen und Darm gegeben, die schon durch die Gewürz- und Bitterstoffe des frischen Bärlauchs zustande kommt.

Bärlauch-Blätter kann man im Wald nach entsprechendem Ausschluss von Verwechselungen ernten, jedoch nicht in Naturschutz- oder Flächen­schutz­gebieten! Bärlauch lässt sich aber auch relativ leicht im Garten an schattigen Plätzen anbauen. Frische Bärlauch-Blätter wickelt man nach dem Ernten in ein feuchtes Tuch und kann sie so im Kühlschrank einige Tage frisch halten.

 

Bewegung

Meditatives Laufen

Laufen ist gesund – das dürfte mittlerweile jedem bekannt sein. Sebastian Kneipp selbst hat körperliche Bewegung ausdrücklich empfohlen, wobei eine sog. Bewegungsarmut heute sehr viel häufiger anzutreffen ist als zu seiner Zeit. Im Sinne Kneipps und der Natur des Menschen soll es nicht darum gehen, bis zur totalen Erschöpfung zu laufen – vielmehr gilt es gemeinhin als gesund, die Leistungsfähigkeit von Herz und Kreislauf langsam und mit Bedacht zu steigern.

Kneipp hat immer wieder betont, dass alle gesundheitsförderlichen Maß­nahmen nicht wirklich greifen können, wenn die „Ordnung der Seele“ nicht ge­währ­leistet ist. Das meditative Laufen verbindet die Kneippschen Elemente Le­bensordnung und Bewegung und kann vielerlei positive Effekte auf die körper­liche und psychische Gesundheit haben; u.a. einen Abbau von Stress­hor­monen im menschlichen Körper und natürlich eine Stärkung des Immun­sys­tems.

„Vogel fliegt. Fisch schwimmt. Mensch läuft.“
 Emil Zatopek (1922-2000), Langstreckenläufer

 Meditation, Konzentration, Achtsamkeit, innere meditative Einkehr und die richtige Atem­technik – das meditative Laufen beginnt eigentlich im Kopf. Man sollte sich bewusstmachen, dass es dabei nicht um sportlichen Ehrgeiz, Erfolg oder Wettbewerb geht, sondern um gesundheitsförderliche Bewegung im Einklang mit sich selbst und der Natur.

„Vergesst mir die Seele nicht“, sagte Sebastian Kneipp und meinte damit ein Zusammenwirken von körperorientierten und auf den psychischen Bereich abzielenden Verfahren. Bevor Sie loslaufen, verweilen Sie einen kurzen Moment und konzentrieren sich auf den Moment, auf Ihre Beine, Füße und die Umgebung. Beim Laufen werden Sie schnell merken, wie sich Ihre Auf­merk­samkeit wieder anderen Dingen widmet. Sobald Ihnen dies bewusst wird, versuchen Sie sich wieder nur auf das Laufen und Ihren Körper zu fokussieren – Schritt für Schritt. Auch die Atmung dürfen Sie nicht außer Acht lassen, der Atemrhythmus muss mit dem Bewegungsablauf harmonieren. Entwickeln Sie eine Achtsamkeit für den Moment, für die Bewegung, für die Natur. Aber das Wichtigste ist: Laufen Sie einfach los!

Denn wer läuft, kann womöglich die eigene Lebenserwartung verlängern. Zu­mindest besagt das eine aktuelle Studie des Cooper Institute in Dallas. So schreiben die Forscher im Fachmagazin „Progress in Cardiovascular Diseases“, dass Läufer durchschnittlich etwa drei Jahre länger leben als Nicht-Läufer. Die Studie berücksichtigte einen Personenkreis von 55.000 Menschen in 15 Jahren – sowohl regelmäßige Läufer, aber auch Personen, die kaum laufen und zudem Menschen, die erst während der Studie mit dem Laufen begannen. Für gesundheitsförderliche Effekte reichten 5 Minuten Laufen am Tag bzw. eine Stunde in der Woche aus. Die Autoren der Studie sind sich sicher: Durchs Laufen gewinnt man mehr Lebenszeit zurück, als man investiert.

Zügiges Gehen in der Natur war für Kneipp eine lebensverlängernde und aus­gleichende Maßnahme. Wir bleiben bei unserer Empfehlung, jeden Tag möglichst fünf Kilometer zu laufen oder zu gehen – aber wer das nicht schafft, soll sein Pensum nach seinen Möglichkeiten definieren.

Prof. Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke; Abt. Naturheilkunde - Charité Berlin

 

 

Ernährung

Ernährung bei Arthrose


Als degenerative rheumatische Erkrankung zählt Arthrose in Deutschland zu den häufigsten Gelenk­krankheiten. Betroffen von der nicht heilbaren Krankheit können alle Gelenke sein. In der Regel wird die schützende Knorpelschicht zwischen den Knochen durch Abnutzung beschädigt, es kann zu krank­haften Veränderungen in diesem Bereich, zu Entzündungen, Schwellungen, Versteifungen und Schmerzen kommen. Als Hauptrisikofaktoren werden zunehmendes Alter und Übergewicht genannt. Die Wissen­schaft untersucht nun aber auch vermehrt den Einfluss der Ernährung auf die Entstehung, Verlauf und Behandlung der Arthrose. Vom naturheilkundlichen Ansatz her betrachtet, spielt neben der Ernährung auch die richtige Bewegung eine große Rolle. Und auch mit Maßnahmen zur Linderung der Schmerzen und zur schrittweisen Erhöhung der Beweglichkeit kann die moderne Naturheilkunde aufwarten: Mit Kneippschen Wickeln, Heusackanwendungen und Bädern können durchaus gesund­heits­förderliche Effek­te erzielt werden.

 

„Die Nahrung ist nur dann zuträglich und gesund, wenn sie der Natur des Menschen zuträglich ist und von ihr verarbeitet wird.“ Sebastian Kneipp

 

Dass sich eine gesunde und auf das Krankheitsbild abgestimmte Ernährung positiv auswirken kann, ist schon länger bekannt. Wichtig zu erwähnen ist, dass insbesondere das Zusammenspiel von Ernährung und Bewegung den Verlauf der Arthrose abschwächen kann und natürlich auch das Potential hat, der Erkrankung des Bewegungsapparates präventiv vorzubeugen. Denn durch aktive Bewegung wird die Nährstoffzufuhr der Knorpel über die Gelenkflüssigkeit verbessert. Das ist ein wichtiger Fakt, denn es gibt relativ eindeutige Hinweise, dass Arthrosepatienten/-innen einen höheren Bedarf an bestimmten Nährstoffen und Antioxidantien haben – einmal ganz davon abgesehen, dass Bewegung gegen den Risikofaktor Übergewicht helfen kann. Bei der Bewegung ist darauf zu achten, dass es sich um weiche Bewegungsabläufe handelt, z.B. im Warmbad gegen den sanften Widerstand des Wassers. Solche Bewegungen sollen dazu führen, dass etwas mehr Gelenkflüssigkeit gebildet wird. Jegliche Überlastung ist kontraproduktiv, weil dadurch neuer Abrieb zur erneuten Entzündung und Gelenk­zerstörung führt.

 

Nach­weislich ist eine pflanzenbasierte und fleischarme Kost hilfreich, sie sollte reich an Mineralien und Vitaminen sein. Denn bei regelmäßigem Verzehr von tierischen Lebensmitteln, auch Eier gehören dazu, kann im Körper ein Übermaß an Omega-6-Fettsäuren (v.a. Arachidonsäure) ent­stehen, was wiederum Entzündungs­prozesse fördern kann. Die entzündungsfördernde Arachidon­säure wird teil­weise exogen zugeführt und ist besonders in Wurst und Fleisch von Rind und Schwein vorhanden. Möglicherweise ist die günstige Wirkung von vegetarischer Ernährung und Heilfasten auf den Stopp der Arachidonsäurezufuhr zurückzuführen. Bei rheumatischen Beschwerden scheinen vor allem fettlösliche Antioxidantien (v.a. Vitamin E und A) zu helfen, weil diese dann bis in die Gelenk­flüssigkeit gelangen. Andere Antioxidantien sind möglicher­weise hier nutzlos. Empfehlens­wert sind Omega-3-fettsäurehaltige Lebensmittel wie bestimmte Fischsorten (u.a. Thunfisch, Hering, Lachs, Makrele) und Pflanzenöle (Oliven-, Lein-, Raps-, Hanföl). Gut untersuchte Heilpflanzen in Bezug auf Arthrose sind vor allem Weidenrinde, Teufelskralle und Brennnesselwurzel.


 

Wasser